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AfA OWL









Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen,

mehr als 50 Jahre Frieden, Sicherheit und wachsender Wohlstand in einer auf inzwischen 27
Mitgliedsstaaten angewachsenen Europäische Union, das ist es, wovon Generationen vor uns geträumt haben. Dieses hohe Gut gilt es zu bewahren und mit allem Einsatz und aller Hingabe zu schützen und weiter zu entwickeln.Einer der Väter der Europäische Union, der Sozialist Jacques Delors, sagte einst mahnend:

" Europa ist wie ein Fahrrad. Hält man es an, fällt es um."

Jetzt scheint es fast so zu sein, dass Europa zum Stillstand kommt. Der Ausgang der Referenden in Frankreich, den Niederlanden und jetzt aktuell in Irland, machen betroffen und geben Anlass zur Sorge. Nun ist es nicht so,
dass die Menschen dieser Länder schlechte Europäer sind, sondern sie bringen das zum Ausdruck, was viele Menschen in der EU bewegt.

Seit einigen Jahren geht ein tiefer Riss durch die europäische Gesellschaft. Die Bürger haben das Vertrauen in die Europapolitik weitestgehend verloren. Gebeutelt und verärgert durch so genannte unvermeidliche Reformen, Deregulierungen und der viel beschworenen Dienstleitungsfreiheit haben viele Menschen das Gefühl, dass ihr soziales Gefüge bedingt oder verstärkt durch die Europäische Union weg bricht, und ihre Zukunft sehr ungewiss ist. Die einfachen Leute in unserem Europa tragen seit geraumer Zeit die Hauptlast der anscheinend unausweichlichen gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts und verfallen durch dieses messbare soziale Ungleichgewicht in eine tiefen Ablehnung gegen die politisch handelnden Akteure in Brüssel und Strasbourg.

Die jüngsten Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes haben dem Europafrust weiteren massiven Vorschub geleitet Die Urteile in den Fällen „Viking“, „Laval“ „Rüffert“ und ganz aktuell „ Luxenburg“ spiegeln eine bedenkliche Schieflage der EuGH-Rechtsprechung wieder. Damit werden Grundrechte und soziale Standards in den europäischen Mitgliedsländern werden radikalen Kräften und Spielregeln des Binnenmarktes untergeordnet.

Öffentliche Dienstleistungen wie Energie, Wasserversorgung, Gesundheitswesen, Abwasser- und Abfallbeseitigung, sind wichtiger Bestandteil des europäischen Gesellschafts- und Sozialmodells. Der Europäische Gerichtshof erklärt zunehmend staatliche Regulierungen und Beihilfen im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen für unvereinbar mit dem europäischen Binnenmarkt. Das heißt im Klartext, dass die öffentliche Daseinsvorsorge dem freien Markt und der Dienstleistungsfreiheit in der EU nicht im Wege zu stehen hat

Diese konservative neoliberale Rechtsprechung, geprägt und gefördert durch die aktuellen Machtverhältnisse im EU Parlament, ist gefährlicher sozialer Sprengstoff für ein friedliches Europa im 21. Jahrhundert.
Konservative (EVP) und Liberale (ALDE) geben mit 49 % der Sitze im Parlament die Richtung an, und verwirklichen die Ideale der Marktwirtschaft ohne Rücksicht auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, bzw. auf die große Mehrheit der Menschen in der EU.
Es geht nicht nur um den politische Wettstreit über die Zielrichtung innerhalb des Parlaments und Rates, sondern es geht ums Überleben der sozialen Einheit Europas. Konservative und Liberale müssen Acht geben, dass sie nicht als Totengräber Europas in die Geschichte eingehen.

Alle Sozialdemokraten sind aufgefordert, sich der Entwicklung entgegen zu stellen. Das bedeutet, dass wir den Menschen in unserem Lande bis zur Europawahl nahe bringen müssen, wie sozialdemokratische Europapolitik aussieht.

  • Respekt und Achtung der unterschiedlichen nationalen und kulturellen Erfahrungen und Interessen
  • Wir stehen für ein Europa der sozialen Gerechtigkeit mit fairen Chancen für alle
  • Wir fordern die uneingeschränkte soziale Marktwirtschaft für ein Europa der Zukunft als Maßstab in einer globalisierten Welt
  • Wir schaffen auf europäischer Ebene politische Rahmenbedingungen die soziale und ökologische Standards absichern und stärken
  • Wir wollen ein Europa der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und gute Arbeit in ganz Europa durchsetzen
  • Wir stärken die Arbeitnehmerrechte im europäischen Binnenmarkt und betrachten sie nicht als Kostenfaktoren, sondern als Wettbewerbsvorteile für qualitatives, innovationsgetragenes Wachstum in Europa
  • Wir kämpfen für Existenz sichernde gesetzliche Mindestlöhne und für faire Wettbewerbsbedingungen in allen EU - Mitgliedstaaten
  • Wir wollen starke europäische Betriebsräte damit kein zweiter Fall “Nokia “ in Zukunft möglich sein wird. Zusammen mit den Gewerkschaften werden wir die Überarbeitung und Verbesserung der EU-Betriebsräte-Richtlinie durchsetzen
  • Wir sehen die EU als handlungsstarken Akteur im Weltgeschehen, die sich für eine friedliche, sozial gerechte und ökonomische Gestaltung der Globalisierung einsetzt. Mit gebündelten politischen und ökonomischen Gewicht wird unser Europa richtungsweisend dazu beitragen, dass soziale und ökologische Standards auch den anderen Wirtschaftsräumen als festen Rahmen dienen.

Lasst mich mit einem Zitat von Kurt Beck schließen,

“ Unser Ziel eines sozialen Europas wird sich nur in einem sozialdemokratischen Europa verwirklichen lassen, mit starken sozialdemokratischen Parteien. Daher sind die Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni nächsten Jahres auch eine Richtungsentscheidung für das soziale Europa der Zukunft! Wir brauchen dringend einen Erfolg der europäischen Sozialdemokraten. Lasst uns gemeinsam hieran arbeiten! Das Soziale darf nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern muss tragender Grundpfeiler unseres Europas von morgen sein “


Bernd Fiedler